Geschichte

Die Geburtsstunde der Notenträumer im Jahr 2005, wurde sportlich eingeleitet.

2008_anfangszeitIn der Lebenshilfe, Werkstatt Hildesheim, einer anerkannten Werkstatt für Menschen mit Behinderung, arbeitet Birgit Meyer zu dieser Zeit bereits seit vielen Jahren als Sportlehrerin und leitet dort unter anderem eine Laufgruppe. Die Laufgruppe besteht aus neun Teilnehmern und trifft sich einmal in der Woche, um gemeinsam durch die angrenzenden Grünanlagen zu joggen. Unglücklicherweise verletzt sich Birgit zu dieser Zeit schwer am Knie und die Laufgruppe muss pausieren. Zurück aus dem Krankenhaus ist an Jogging immer noch nicht zu denken, aber alle freuen sich auf ein Wiedersehen und plauschen miteinander.

Wie so oft im Leben steckt in manchem Unglück auch etwas Glück, zumindest rückwirkend betrachtet. Die gesellige Laufrunde hat viel Spaß zusammen und so beschließt man, aus der schönen Atmosphäre heraus ein Lied zu singen. Ein zweites folgt und alle merken, zusammen Singen macht mindestens genauso viel Spaß, wie gemeinsam Sport zu treiben.

Die Geburtsstunde der Notenträumer war also vom Zufall geprägt. Es gab keine musik-therapeutischen Ziele und pädagogischen Konzepte. Keine ausgebildete Gesangslehrerin und keinen Musikprofessor. Es gab etwas viel Wertvolleres, – ein  gemeinsames Erlebnis, Spaß und Freude, Herz und Leidenschaft beim Singen! Noch heute ist dies der Kern und die Triebfeder der Notenträumer.

Bereits beim nächsten Treff der „Laufgruppe“ waren die ersten Lieder ausgewählt und die Texte aufgeschrieben. In der Werkstatt verbreitete sich die Nachricht und aus neun Teilnehmern wurden 12, aus 12 wurden 18 und bei 20 sagte Birgit das erste Mal: „Mehr geht nicht“.

2008_anfangszeit2Dieser Satz war auch bei 25 zu hören und erst recht, als aus ehemals neun Läufern –  30 Sänger und Sängerinnen wurden. Heute sind es 64 (!!) leidenschaftliche SängerInnen und wer nachfragt, wird den Satz „Mehr geht aber nicht“, genauso hören, wie den nachfolgenden: „Na gut, Einer noch…“

In den ersten Stunden des Chores verschwendete man keinen Gedanken daran, dass nicht nur das Singen Spaß macht, sondern das dass Zuhören genauso viel Freude bereiten könnte. An einen Auftritt dachte niemand. Zumindest nicht bis zum Frühjahr 2007. Da dachte sich nämlich der damalige Geschäftsführer Hans-Herbert Schmidt, dass der Chor doch spontan nachmittags bei einem Treffen pensionierter Mitarbeiter ein, zwei Lieder singen könnte. Mutig kamen die SängerInnen der Bitte nach und bevor man wirklich darüber nachdenken konnte, war er da, – der allererste Auftritt.

Ein Auftritt mit Folgen. Die Reaktionen waren überwältigend und Hans-Herbert Schmidt so begeistert, dass er beschloss, der Chor soll die Einrichtung auf dem Aktionstag vertreten. Der Aktionstag der Lebenshilfe wird alle zwei Jahre in wechselnden Städten veranstaltet und für das Jahr  2008 hatte Hildesheim den Zuschlag erhalten. Ein Heimspiel also und eine große Herausforderung zugleich.

Der Chor hatte nun eine Aufgabe und ein Ziel. Lieder mussten ausgewählt, ein Programm auf die Beine gestellt werden. Was sollte man anziehen, wie würden die Reaktionen ausfallen? Schließlich handelt es sich bei dem Aktionstag um eine öffentliche Großveranstaltung. Die Proben wurden intensiver und man begann an Details zu feilen, Solo-Sänger zu finden und, und, und…….!

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Die Arbeit und die Mühe waren es wert! Am 28. Juni 2008 gegen 14.00 Uhr betraten 30 SängerInnen die Bühne vor der Andreaskirche und blickten auf einen mit gut 500 Zuhörern gefüllten Platz. Einheitliche T-Shirts, farbige Halstücher und riesige, aus Pappmaché gebastelte Blumen sorgten für einen tollen Anblick. Jetzt musste „nur“ noch das musikalische Programm gelingen und gefallen. Gelingen und gefallen? Das ist harmlos ausgedrückt, denn die Zuschauer waren begeistert und der Applaus tosend!

Die Feuertaufe war bestanden und in Folge des Auftritts, erlangte der Chor die erste Stufe eines Bekanntheitsgrades. Das Telefon von Birgit Meyer stand nicht mehr still. Viele Besucher des Aktionstages wollten die Notenträumer auf ihrem Kirchenfest, ihrer Geburtstagsfeier oder der Jubiläumsfeier. Diese Kettenreaktion hält b0803-aktionstag-5is heute an. Jeder neue Auftritt bringt in der Regel zwei neue Anfragen mit sich. Und so singen die Notenträumer  mindestens 20 mal im Jahr. Eine besonders bemerkenswerte Tatsache, denn alle SängerInnen, die Helfer und natürlich Birgit Meyer als Sportlehrerin, sind voll berufstätig und abgesehen von der Probe (im Rahmen der Arbeitszeit), wird von allen viel, viel Freizeit „geopfert“.  Ein Opfer, welches in Anbetracht der Freude, die bei jedem Auftritt im Wechselspiel mit den Zuschauern stattfindet, gern gebracht wird.

Das musikalische Programm hat sich mit der Zeit erweitert und so verfügen die Notenträumer über ein erstaunliches Repertoire. Christliche und weltliche Lieder, Evergreens und Schlager, Balladen und Texte zum Nachdenken gehören genauso zum Programm wie aktuelle Partyhits, die jede Veranstaltung zum Klatschen, Mitsingen und Mittanzen anregen.

Die Besonderheit des Chors liegt in der unglaublichen Energie. Man kann sich der Lebensfreude, die vermittelt wird, kaum entziehen.  Ganz nebenbei profitieren viele SängerInnen vom neu gewonnenen Selbstvertrauen.
Gerade für Menschen mit einem Handicap ein wichtiger Aspekt, aber eben nicht der ausschlaggebende.  Denn wie gesagt, die Arbeit, das Üben und die Auftritte verfolgen vordergründig keinen therapeutischen Ansatz (auch wenn dieser stattfindet) sondern das gemeinsame Erlebnis, der Spaß nicht nur dabei zu sein  – sondern:  „Mittendrin  – im Leben“.
Immer mit Mut und Freude.

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Gesang mit Herz, Liebe und Leidenschaft